Als ich, Student der Kunstgeschichte, Ende der 1980er-Jahre das große Glück hatte, für die Galerie Hermeyer auf der Art Basel mitarbeiten zu dürfen, war Jean-Charles Blais mit seinen großen Plakatabrissen einer der Stars der Messe: Bei Yvon Lambert und Buchmann prangten seine enigmatischen, schrundigen, immer von Erfindungsreichtum und Entdeckerfreude zeugenden Bilder. Als dann der Kunstmarkt mit seiner damals bereits einsetzenden Neuerungswut und seinen Zentrifugalkräften klare Erkennbarkeiten einforderte und Jean-Charles Blais sich diesem Trend verweigerte, wurde es stiller um den Künstler, der unbeirrt seinen kreativen Weg fortsetzte. Mittlerweile wurde sein künstlerischer Rang durch Ausstellungen in der Fondation Lambert und im Picasso-Museum in Antibes deutlich unterstrichen.
Erkennbarkeit, Stilistik … was genau soll das sein? Die Schau am Odeonsplatz stellt genau diese Frage und begibt sich auf die Reise von den Anfängen der 1980er-Jahre bis zum gerade eben erst fertiggestellten Werk. Mein großer Dank gilt Jean-Charles Blais dafür, dass ich so ungehindert im Fundus des Künstlers auf Entdeckungsreise gehen durfte.
… ein früher Held meiner künstlerischen Sozialisierung wurde mit seinem im wahrsten Sinne des Wortes so vielschichtigen Werk seit Gründung der Galerie 2001 fester Bestandteil des Programms – welch eine Freude!
Und – zu meinem tiefen Bedauern – leider noch ein Wort in eigener Sache: Nach fast 20 – in Worten zwanzig (!) – Jahren verlässt Katharina Huys die Galerie. Würde sie nicht für eine Ganztagesstelle an das so großartige Diözesanmuseum Freising wechseln, ich hätte sie einfach nicht ziehen lassen. So bleibt unsagbare Dankbarkeit und unverrückbare Freundschaft!