Madge Gill
(1882 – 1961)

Tuschzeichnungen der 1940er Jahre

Es gibt sie zum Glück immer wieder, diese ersten Begegnungen mit dem Werk eines Künstlers. Obwohl die Stilistik unbekannt ist, scheint doch alles vertraut.

Die Intensität und Dichte der kleinen Tuschzeichnungen von Madge Gill im Format 14 x 8,7 cm haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Die klare Artikulation und Setzung jedes Striches lädt den Bildraum auf. Sicher deutet die Überfülle des Bildraumes auf einen obsessiven Umgang mit dem Medium Zeichnung hin. Verbunden mit ihrem höchst dramatischen Lebenslauf taucht ihr Name bisher fast ausschließlich im Zusammenhang mit Outsider Art und Art Brut auf. Doch gerade die in dieser Ausstellung vereinten Arbeiten, die figurative Elemente stark zurücknehmen, zeigen klare stilistische Einflüsse aus der Arts and Crafts-Bewegung und dem Vortizismus. Gill setzt diese zeitgenössischen Strömungen in ein eigenständiges künstlerisches Werk um.

Madge Gill kommt 1882 als uneheliches Kind im Londoner Eastend zur Welt. Sie wird von Mutter und Tante aufgezogen, die ihre Existenz jahrelang geheim halten. Als junges Mädchen kommt sie zunächst in ein Waisenhaus. Mit 19 Jahren arbeitet sie als Krankenschwester. Um 1903 wird sie von ihrer Tante, bei der sie nun auch wohnt, in den Spiritismus und die Astrologie eingeweiht. Vier Jahre später heiratet sie und bringt drei Söhne zur Welt. Eines der Kinder stirbt 1918, Gill erkrankt schwer und erblindet auf dem linken Auge. Ein Jahr nach diesem Trauerfall fängt sie an zu  zeichnen, zu schreiben und zu sticken. Wie besessen arbeitet Gill, meist sehr schnell, im Stehen, nachts, beim Schein einer Öllampe. Zu Lebzeiten stellt sie ihre Arbeiten so gut wie nie aus.

Sammlungen (Auswahl): Musée de L‚Art Brut, Lausanne; Museum Guislain, Gent; Irish Museum of Art, Dublin; The Anthony Petullo Collection, Milwaukee, WI

Gruppenausstellungen (Auswahl 2005 – 2006): Galerie St. Etienne, New York; Palazzo della Ragione, Bergamo; Whitechapel Gallery, London; Tate Britain, Outsider Art, London; The Royal Bethlem Hospital, Beckenham, Kent; Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

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